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Hepatitis-B

Wann wurde die Hepatitis-B erstmals entdeckt und welchen Stellenwert hat sie heutzutage?

Dr. Blumberg beschrieb 1965 als erster das Hepatitis-B Virus. Auch wenn es seit 1985 eine Impfung gibt, stellt die Hepatitis-B eine Herausforderung dar, da wir bis heute PatientInnen nur selten vollständig von ihr heilen können. Bedeutende Fortschritte haben es jedoch möglich gemacht, dass wir mit nebenwirkungsarmen Medikamenten die Krankheitsaktivität weitgehend in Schach halten können.

Wie wird Hepatitis-B übertragen?

Hepatitis-B ist 50- bis 100-mal ansteckender als HIV. Hepatitis-B Viren lassen sich in praktisch allen Körperflüssigkeiten wie Blut, Schweiß, Urin, Tränenflüssigkeit, Sperma, Muttermilch nachweisen.

Hepatitis-B wird hauptsächlich über 2 Ansteckungswege übertragen: Mutter-Kind-Übertragung und sexuell. Bei 25-30% der PatientInnen lässt sich der Ansteckungsweg nicht klären.

Wann besteht ein erhöhtes Risiko für eine Hepatitis-B Übertragung?

  • Sexuell (insbesondere bei MSM)
  • Tätowierung, Akupunktur
  • Nadelstichverletzung
  • „Needle-sharing“ bei intravenösem Drogenkonsum
  • Das Risiko sich über eine Blutkonserve anzustecken ist vergleichsweise gering

Wie wird eine Hepatitis-B diagnostiziert?

Durch Hepatitis-B Serologie (Hepatitis-B surface Antigen, Hepatitis-B envelope Antigen) und Hepatitis-B DNA (PCR-Test). Es kommt in der Regel zu einem Anstieg der Transaminasen.

Was sollte nach Diagnose einer Hepatitis-B noch erfolgen?

  • Der Fibrosegrad sollte gemessen werden (Fibroscan)
  • Leberkrebsvorsorge mittels Bildgebung und Tumormarker (AFP)
  • Es sollte untersucht werden, ob Koinfektionen (HIV, Hepatitis-C, Hepatitis-D) vorliegen.
  • Die Nierenfunktion sollte untersucht werden
  • Eine Knochendichte zur Feststellung, ob eine Osteoporose vorliegt

Kann eine beginnende Fibrose auch bei normalen Leberwerten vorliegen?

Ja. Der Fibrosegrad kann mittels Fibroscan ermittelt werden.

Welche Beschwerden sind bei Hepatitis-B zu erwarten?

Die Klinik wird wesentlich von der Immunkompetenz bei der Infektion bestimmt. Die körpereigene Immunabwehr ist beim Kind noch nicht ausgereift und erkennt folglich Hepatitis-B Viren nicht, welche sich leichter unbemerkt in die Leberzellen einnisten. Die Infektion geschieht somit still oder wird als banaler Infekt verkannt.

Im Gegensatz dazu verfügen Erwachsene über ein hochentwickeltes Immunsystem, welches sehr wohl Hepatitis-B Viren erkennt und sofort mit deren Bekämpfung beginnt. Dabei kommen auch Leberzellen um, wodurch die Leberfunktion eingeschränkt wird. PatientInnen fühlen sich meistens sehr krank (Fieber, rechtsseitige Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen) und weisen eine gelbe Hautfarbe – ein sog. Ikterus – auf. Im Labor kommt es zu einer starken Auslenkung der Leberfunktionsparametern.

Wie wahrscheinlich ist es, dass PatientInnen unter Therapie virusfrei werden?

Die Wahrscheinlichkeit ist mit den uns zur Verfügung stehenden Medikamenten sehr hoch. Nach 5 Jahren haben 99% der behandelten PatientInnen eine negative PCR.

Kann von einer Heilung gesprochen werden, wenn eine HBsAG-Clearance oder eine HBsAG- Serokonversion eintritt?

Von einer Heilung kann nicht gesprochen werden, weil das Virus unter bestimmten Umständen reaktiviert werden kann. Nach Clearance/Konversion bleibt in den Leberzellkernen stets Hepatitis-B Virusstaub (sog. cccDNA) zurück. Das liegt daran, dass die uns derzeit zur Verfügung stehenden Medikamenten ihre Wirkung in der Leberzelle aber nicht in ihrem Zellkern entfalten können. Unser Immunsystem ist es, dass diesen Virusstaub im Schach hält.

Dieser Schutz fällt weg, wenn das Immunsystem durch Infektionserkrankungen, Krebserkrankungen oder Medikamente (Chemotherapie, Kortison) geschwächt wird. In dem Fall kann es zu einer Hepatitis-B Reaktivierung kommen.

Warum wird trotzdem ein HBsAG Verlust angestrebt?

Nach HBsAG Serokonversion schreitet die Lebererkrankung nicht mehr voran – es sei denn es liegen andere Ursachen für einer Leberschädigung vor: Alkohol, Fettleber.

Was wäre das ultimative Ziel einer Hepatitis-B Therapie?

Ziel der Therapie wäre selbstverständlich die vollständige Viruselimination. Mit unseren verfügbaren Medikamenten müssen wir uns allerdings mit einer „funktionellen Heilung“ (=Suppression der Virusreplikation) zufriedengeben.

Warum sollen manche PatientInnen eine Hepatitis-B Therapie durchführen?

Um das Risiko für Leberzirrhose, Leberversagen und Leberkrebs zu reduzieren.

Wie lange muss therapiert werden, um das Leberkrebsrisiko zu senken?

Das Leberkrebsrisiko sinkt erst nach mindestens 3 Jahren Therapie. Selbst unter HBV-Therapie besteht jedoch ein Leberkrebsrisiko! Dieses ist jedoch im Vergleich mit 0.1 bis 1% sehr niedrig. Insbesondere PatientInnen mit Zirrhose, fortgeschrittener Fibrose oder Diabetes sollten engmaschig eine Leberkrebsvorsorge mit Bildgebung und Tumormarker (AFP) erhalten.

Welche Vorteile bringt eine Hepatitis-B Therapie mit Nukleosid/Nukleotid Analoga?

Nukleosid Analoga führen dazu, dass die Entzündung abnimmt. Das kann man daran erkennen, dass die Leberwerte (Transaminasen) absinken. Auch die Leberfunktion verbessert sich in Folge. Nach Therapie sollte es zu einem Absinken von Bilirubin und INR kommen, während das Albumin steigen sollte.

Durch Reduzierung der Viruslast (Hepatitis-B PCR) lässt sich die Ansteckungsrate reduzieren.

Eine Therapie führt auch dazu, dass die Fibrose („Vernarbung“) bei 3 von 4 PatientInnen abnimmt.

Welche PatientInnen mit Hepatitis-B sollen therapiert werden?

Ab einem Fibrosegrad 2 oder wenn erhöhte Leberwerte vorliegen. Auch die Anzahl an Hepatitis-B Viren (sog. Viruslast) entscheidet darüber, ob eine Therapieempfehlung ausgesprochen wird.

Sind Resistenzen unter einer Hepatitis-B Therapie zu erwarten?

Die neuen Nukleosid- und Nukleotid-Analoga haben eine Resistenzrate von etwa 1%.

Welche Parameter werden bei der Entscheidung berücksichtigt, welche Therapie zum Einsatz kommt?

Lebersteatose (Fibroscan), Schwangerschaftswunsch, Alter, Nierenfunktion, Knochenstoffwechsel und Body-Mass-Index.

Wie wahrscheinlich kann eine Hepatitis-B chronifizieren?

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Hepatitis-B chronisch wird, hängt v.a. vom Erkrankungsalter ab. Je jünger PatientInnen bei Ansteckung sind, desto höher ist die Chronifizierungsrate (80% bei Kindern und 5-10% bei erwachsenen Patienten).

Wie oft soll eine Leberkrebsvorsorge bei PatientInnen mit Hepatitis-B stattfinden?

2x pro Jahr sollten der Tumormarker (AFP) bestimmt und eine Bildgebung durchgeführt werden.

Bei wem sollte die HBV-Therapie nicht beendet werden?

Bei PatientInnen mit Leberzirrhose.

Warum ist das Leberkrebsrisiko bei Hepatitis-B erhöht?

Die Hepatitis-B DNA wird in der DNA der Leberzelle eingeflochten und kann so eine maligne Entartung (= Onkogenese) auslösen. Im Gegensatz zu anderen Lebererkrankungen geschieht dies völlig unabhängig davon, ob eine Zirrhose vorliegt oder nicht. Trotzdem ist das Leberkrebsrisiko höher, wenn eine Zirrhose vorliegt. Dann beträgt die jährliche HCC-Inzidenz etwa 2-5%. Aus dem Grund sollte eine Leberkrebsvorsorge engmaschig und abhängig davon erfolgen, ob eine Zirrhose vorliegt.

Wie lässt sich das Leberkrebsrisiko reduzieren?

  • Frühzeitiges Erkennen und Therapieren von Koinfektionen (Hepatitis-C, Hepatitis-D, HIV) und Begleiterkrankungen, wobei dem Diabetes Mellitus eine entscheidende Rolle zukommt.
  • Das Ziel ist eine Hepatitis-B Viruslast von Null.
  • Nikotinverzicht
  • Normalisierung der Transaminasen durch regelm. körperliche Betätigung und gesunder Ernährung (mediterrane Kost).

Wie lässt sich das Leberkrebsrisiko abschätzen?

  • Auch wenn ein Leberkrebs in jedem Fibrosestadium auftreten kann, ist es so, dass die Wahrscheinlichkeit mit dem Fibrosegrad zunimmt. Innerhalb weniger Minuten lässt sich der Fibrosegrad mittels Fibroscan messen.

Welche Ursache kann vorliegen, dass PatientInnen unter Hepatitis-B Therapie keine Normalisierung der Leberwerte erzielen?

Es sollte überprüft werden, ob neben der Hepatitis-B auch noch eine weitere Lebererkrankung vorliegt. Mittels Fibroscan kann untersucht werden, ob der Leberfettgehalt erhöht ist.

Wer soll gegen Hepatitis-B geimpft werden?

  • Medizinisches Personal
  • PatientInnen mit HIV
  • Leber/ und Nierenerkrankungen
  • Sexualpartner infizierter PatientInnen
  • Menschen im selben Haushalt wie infizierte/r PatientIn

Wie oft muss man sich gegen Hepatitis-B impfen, um geschützt zu sein?

Der optimale Impfschutz wird nach 3 Teilimpfungen aufgebaut.

Wann sollte der Hepatitis-B Impferfolg nach abgeschlossener Grundimmunisierung erfolgen?

4-8 Wochen später.

Wie hoch liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Hepatitis-B Impfung nicht wirkt?

Ein Nichtansprechen tritt bei etwa 5-10% der Geimpften auf und betrifft v.a. ältere PatientInnen sowie Immunsupprimierte.

Wann sollte eine Hepatitis-B Impfung aufgefrischt werden?

Ob und in welchem Zeitraum eine Auffrischung durchgeführt werden sollte, wird von der Höher der anti HBs-Titer bestimmt.