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Reizdarmsyndrom

Was ist das Reizdarmsyndrom (RDS)?

Als RDS bezeichnet man einen Zustand, bei dem die Darmfunktion gestört ist. Typisch sind wiederkehrenden Beschwerden wie Bauchschmerzen (Krämpfe/ Brennen), Blähungen und Stuhlveränderungen, aber auch

  • Schmerzlinderung nach Stuhlgang (Tenesmen)
  • Blähungen / aufgebläht sein, vermehrt empfundener peranaler Luftabgang und Borborygmi (= hörbare Darmgeräusche)
  • Zunahme des Bauchumfanges während des Tages
  • Imperativer Stuhldrang und das Gefühl der inkompletten Stuhlentleerung
  • Änderung von Stuhlfrequenz und – konsistenz (großvolumige Stühle, schafskotartig, schleimig, spritzende Stühle)
  • Während Frauen häufiger obstipiert (=verstopft) sind, klagen Männer vermehrt über Diarrhoe (= Durchfälle).

Intensität, Frequenz und die vorherrschenden Hauptbeschwerden unterliegen einer hohen interindividuellen Varianz und intraindividuellen Fluktuation.

Die Patienten haben in der Regel einen langen Leidensweg und zahlreiche Arztbesuche hinter sich. Das liegt mitunter auch daran, dass der Großteil der PatientInnen mit RDS die Beschwerden in Zusammenhang mit ihrer Ernährung sehen (oft eine „falsche Fährte“).

Wie häufig tritt ein RDS auf?

Das RDS ist eine weit verbreitete Erkrankung. Es tritt vor dem 50. Lebensjahr doppelt so häufig bei Frauen auf, während sich im Anschluss die Häufigkeit bei beiden Geschlechtern angleicht. Die Diagnose kann prinzipiell in jedem Alter gestellt werden, wenngleich die meisten PatientInnen zwischen 20 und 30 Jahren sind.

Was sind Risikofaktoren für ein RDS?

  • Eine vorangegangene Magendarmgrippe (=Gastroenteritis)
  • Vorangegangene Antibiotikaeinnahmen
  • Gestörtes Gallensäurerecycling (nach Operation)
  • Einschneidende Life Events
  • Stress (familiär, beruflich, finanziell, Umzug, Gericht, Todesfall)
  • Schichtarbeit / Schlafdefizit

Wie wird die Diagnose eines RDS gestellt?

Obwohl das RDS weit verbreitet ist stellt die Diagnose häufig eine Herausforderung dar, da sich die Symptome häufig mit jenen anderer gastrointestinalen Erkrankungen überschneiden.

Das RDS lehnt sich an eine symptombasierte Diagnosestellung an, wobei gesagt werden muss, dass das RDS viele unspezifische Beschwerden auslösen kann, die sich mit der Zeit auch ändern.  Früher ging man davon aus, dass Bauchschmerzen und Stuhlveränderungen vorliegen müssen. Nach neueren Erkenntnissen klagen jedoch viele PatientInnen vorrangig über Blähungen und einer abdominellen Distension (Zunahme des Bauchumfangs während des Tages).

Das RDS ist eine Ausschlussdiagnose. Das heißt es muss stets eine Koloskopie durchgeführt werden, in welcher Darmerkrankungen, die sich mit ähnlichen klinischen Beschwerden, ausgeschlossen werden. Darunter zählt man eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, Zöliakie, mikroskopische Kolitis, Divertikulose oder einen Darmkrebs. Weiters sollte an einem small-intestinal bacterial overgrowth (SIBO) und an einer Nahrungsmittelallergie gedacht und die Patientin gynäkologisch abgeklärt werden.

Das RDS kann mit folgenden Erkrankungen einher gehen:

  • Funktionelle Dyspepsie. Hier treten überlappende Symptomkomplexe auf. In Kombination kommt es zu einer höheren Beschwerdeintensität und Beeinträchtigung der Lebensqualität, als wenn bei Erkrankungen separat auftreten.
  • Nicht-kardialer Thoraxschmerz
  • Hyperventilationssyndrom
  • Fibromyalgie
  • Dysmenorrhoe
  • Endometriose: 24% der Patientinnen haben ein RDS
  • Chronische Erschöpfung (fatigue syndrome)
  • Harnentleerungsstörung (z.B. vermehrter Harndrang)
  • Unangenehmer Geschmack im Mund
  • Rückenschmerzen
  • Schlafprobleme
  • Depression und Angststörung

Wie wird das RDS therapiert?

Das RDS ist eine Erkrankung mit einem breiten klinischen Erscheinungsbild und einer Vielzahl an verfügbaren Medikamenten, deren Effekte sich im Einzelfall nicht vorhersagen lassen. Aus dem Grund sollte die Therapie dem Patienten maßgeschneidert werden und sich nach bestimmten Punkten richten.

Zum Einsatz kommen:

  • Medikamente: Probiotika, lösliche Balaststoffe, Phytopharmaka, Gallensäurebinder, Antibiotika, Laxantien, Peristaltikhemmer
  • Diät: Fodmap Diät
  • Psychiatrischer Zugang: Antidepressiva

Welche allgemeine Maßnahmen sollten beim RDS getroffen werden?

Körperliche Betätigung von 30-60 Minuten 3-5x wöchentlich wirkt sich positiv auf den Darm aus, insbesondere dann, wenn Verstopfungen (=Obstipation) vorliegen. Es sollte auf einen regulierten Tagesablauf mit regelmäßigen Mahlzeiten geachtet werden. Weiters soll das Rauchen eingestellt und ausreichend geschlafen werden.

Kann ein RDS verschwinden?

Das Reizdarmsyndrom ist bei einem Teil der Betroffenen spontan rückläufig, in den meisten Fällen aber chronisch.

Stellt das RDS ein Risikofaktor für die Entstehung eines Darmkrebses dar?

Nein.

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