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Pankreatitis

Was ist eine Pankreatitis?

Unter einer Pankreatitis versteht man eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse, welche zeitlich begrenzt (akute Pankreatitis) oder in Schüben (chronische Pankreatitis) auftreten kann. Die Bauchspeicheldrüse nimmt eine wichtige Rolle bei der Verdauung und beim Blutzuckerhaushalt ein.

Wie häufig ist eine Pankreatitis?

In den letzten Jahren ist die Inzidenz für eine Pankreatitis gesunken. Möglicherweis liegt das am Rückgang des Nikotinkonsums (soziale Ächtung), einem anerkannten Risikofaktor für die Entstehung einer Pankreatitis. Männer entwickeln häufiger eine Pankreatitis als Frauen.

Welche Beschwerden werden bei Pankreatitis angegeben?

Im Vordergrund steht der Schmerz, wenngleich dieser unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann. Typischerweise setzen die Oberbauchschmerzen akut ein und strahlen gürtelförmig in den Rücken aus. Typisch sind auch ein Blähbauch (= „Gummibauch“) oder reduzierte bis fehlende Darmgeräusche.

Wie wird eine Pankreatitis diagnostiziert?

Bei typischer Symptomatik und entsprechender Erhöhung der Pankreaswerte im Blut (Lipase und Amylase) ist die Diagnose einer Pankreatitis meist auch ohne Bildgebung zu stellen. Trotzdem wird eine Bildgebung zeitgleich mit der Diagnosestellung zur Ursachenerkennung veranlasst.

Hängt die Höhe der Lipase mit dem Schweregrad der Pankreatitis zusammen?

Nein, hier gibt es keinen Zusammenhang.

Was sind die Ursachen für eine akute Pankreatitis?

Am häufigsten wird eine akute Pankreatitis durch Gallensteine (50%) und Alkoholmissbrauch (35%) verursacht. Zu den anderen und gleichsam wesentlich selteneren Ursachen zählt man eine anatomische Variante (Pankreas Divisum), Stoffwechselstörungen (Hyperlipidämie oder Hyperkalzämie), genetische Ursachen oder eine autoimmune Pankreatitis. Es kann aber auch zu einer Pankreatitis nach endoskopischen Eingriffen, bei Tumorerkrankungen, Medikamentennebenwirkung, Traumata oder Infektionen kommen.

Warum steigt bei Hyperlipidämie das Risiko für eine Pankreatitis?

Diskutiert wird eine Erhöhung der Blutviskosität mit lokaler Ischämie, alternativ auch eine direkte Toxizität der freien Fettsäuren. Die Wahrscheinlichkeit für eine akute Pankreatitis steigt linear zur Höhe der Triglyceride an.

Warum steigt bei Hyperkalzämie das Risiko für eine Pankreatitis?

Die Hyperkalzämie führt dazu, dass Verdauungsenzyme bereits in der Bauchspeicheldrüse aktiviert werden. Üblicherweise werden Verdauungsenzyme, die in der Bauchspeicheldrüse hergestellt werden, erst im Dünndarm „auf scharf geschalten“, wenn sie auf den sauren Magensaft stoßen.

Warum steigt bei Alkoholabusus das Risiko für eine Pankreatitis?

Als Pathomechanismus gilt als gesichert, dass Alkohol die intrazelluläre Aktivierung von Pankreasenzymen verursacht. Häufig ist vermehrter Alkoholkonsum verbunden mit fettreicher Ernährung der Auslöser.

Warum können Gallensteine zu einer Pankreatitis führen?

Die Galle und der Pankreassaft werden über einen gemeinsamen Ausführungsgang an den Dünndarm abgegeben. Gallensteine können in dem Bereich stecken bleiben, sodass es zu einer Abflussbehinderung kommt, die dann wiederum das Pankreas reizt.

Eine akute Pankreatitis kann insbesondere bei längerem Fasten (z.B. Fastenzeit, Ramadan) auftreten. Ein Fastenbrechen führt zu einem massiven „nutritiven Reflex“, wenn auf einmal viel und üppig gegessen wird. Im Blut kommt es zu einem steilen Anstieg von Blutzucker und Blutfetten,  wodurch es zu einer maximalen Stimulation der Pankreasenzyme gefolgt von einer raschen und starken Zusammendrücken (=Kontraktion) der Gallenblase kommt. Im Zuge dessen können kleine Steine aus der Gallenblase in den Gallengang befördert werden, wo sie zu einer Verlegung beisteuern können.

Wie wird eine akute Pankreatitis therapiert?

Die wichtigste Maßnahme ist die Flüssigkeitssubstitution, gefolgt von der Analgesie (= medikamentöse Schmerzeinstellung) und dem Kostaufbau. Eine strickte Alkohol- und Nikotinkarenz soll ebenfalls eingehalten werden. Sollten Nekrosen auftreten, müssen diese radiologisch, endoskopisch oder chirurgisch drainiert werden, um die Entstehung von Abszessen zu vermeiden. Infizierte Nekrosen müssen antibiotisch therapiert werden.

Wie ist die Prognose einer akuten Pankreatitis?

Der Verlauf ist zu Beginn oft schwer abschätzbar. Die Prognose hängt hauptsächlich davon ab, ob die Bauchspeicheldrüsenentzündung von Nekrosen begleitet wird. Pankreatitiden können entweder vollständig abheilen („Restitutio ad Integrum“) oder in eine Defektheilung (chronische Pankreatitis) münden.

Wie wahrscheinlich ist es, dass PatientInnen nach akuter Pankreatitis eine weitere Episode haben?

20% der PatientInnen mit einer akuten Pankreatitis entwickeln ein Rezidiv. Von diesen PatientInnen entwickeln wiederum 35% eine chronische Pankreatitis. Das Rezidivrisiko ist von der Ursache der Pankreatitis abhängig, wobei die biliäre Pankreatitis das höchste Rezidivrisiko hat. Das Rezidiv Risiko ist insbesondere bei kleinen Steinen hoch, da sich diese eher aus der Gallenblase lösen. Aus dem Grund sollte eine Gallenblasenentferung (= Cholezystektomie) bei Gallenblasensteinträgern zeitnah erfolgen.

Welche Langzeitkomplikationen können nach einer akuten Pankreatitis auftreten?

Etwa 10% der PatientInnen entwickelt eine chronische Pankreatitis, die das Risiko für Diabetes, Pankreasinsuffizienz und Pankreaskarzinom erhöht.

Was ist eine chronische Pankreatitis?

Eine chronische Pankreatitis ist eine lang bestehende Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Der dauerhafte Zelluntergang führt dazu, dass die Bauchspeicheldrüse ihren Aufgaben (Verdauung und Blutzuckerhaushalt) nicht nachkommen kann.

Was sind die Ursachen für eine chronische Pankreatitis?

Anders als bei der akuten Pankreatitis stellt der Alkohol mit 80% die häufigste Ursache für eine chronische Pankreatitis dar. Andere Ursache sind die Autoimmunpankreatitis oder ein Hyperparathyreoidismus.

Weiterhin beschleunigt das Rauchen die Krankheitsprogression bei chronischer Pankreatitis:

  • Bauchschmerzen)
  • Zunahme der Verkalkungen im Pankreas
  • Entwicklung eines Diabetes Mellitus

Welche klinischen Beschwerden treten bei chronischer Pankreatitis auf?

  • Schmerzen treten auf, wobei die Schmerzstärke mit der Erkrankungsdauer oft abnimmt („burn-out of pain“). Umstellung der Atmung (schnell und flach) wird gelegentlich beobachtet, da ein tiefes Einatmen Schmerzen verursacht.
  • Gewichtsverlust (80%) – zunächst oft bedingt durch mangelnde Nahrungszufuhr aus Angst vor Schmerzen, später durch exokrine Pankreasinsuffizienz selbst. Bei Alkoholismus tritt Fehlernährungen häufig auf.
  • Übelkeit und Erbrechen (80%)
  • Durchfälle (50%)
  • Blähungen (80%)
  • Bauchwasser (75%)
  • Gelbsucht (in 20%)
  • Fieber (60%)
  • Endokriner Funktionsausfall (Insulinmangeldiabetes)
  • Exokriner Funktionsausfall (unvollständige Verdauung)

Wie wird eine chronische Pankreatitis diagnostiziert?

Durch Klinik und Labor. In der Bildgebung erscheint die Bachspeicheldrüse verkleinert und mit Kalkeinlagerungen. Neben Zysten kann sich der Pankreashauptgang erweitert und/oder eingeengt vorliegen.

Wie wird eine chronische Pankreatitis therapiert?

  • Alkohol- und Nikotinstop
  • Diätologischer Ansatz
  • Ausgleich von Vitaminen
  • Pankreasenzym-Ersatztherapie
  • Blutzuckertherapie
  • Endoskopische Therapie

Was ist eine endokrine Pankreasinsuffizienz?

Wenn nicht genügend Pankreasgewebe zur Bildung von Hormonen vorliegt, die benötigt werden, um den Blutzuckerhaushalt verlässlich zu regulieren.

Was ist eine exokrine Pankreasinsuffizienz?

Wenn nicht genügend Pankreasgewebe zur Bildung von Verdauungsenzymen vorliegt, die benötigt werden, um die mit dem Essen aufgenommen Nährstoffe im Magendarmtrakt zu zersetzen. Nur im zersetzten Zustand ist ein Übertritt von Zucker, Eiweißen, Fetten in das Blut möglich.

Wann sollte untersucht werden, ob eine genetische Veranlagung für eine chronische Pankreatitis vorliegt?

  • PatientInnen, die ≥ 2 Pankreatitisschübe ohne Ursache haben.
  • Bei jungen PatientInnen, bei denen keine Ursache für die Pankreatitis gefunden werden konnte.
  • Wenn eine positive Familienanamnese vorliegt.

Welche Komplikationen können bei PatientInnen mit chronischer Pankreatitis auftreten?

  • Pankreaszysten
  • Pankreasgangsteine
  • Pankreastumor
  • Infektion von Nekrosen mit Sepsis (= Blutvergiftung)
  • Thrombosen innerhalb im Naheverhältnis zur Bauchspeicheldrüse- meistens im Bereich der Leber, Milz

Wie ist die Prognose bei chronischer Pankreatitis?

Das Risiko kann durch Alkoholkarenz, Gallenblasenentfernung (= Cholezystektomie) und Nikotinverzicht günstig beeinflusst werden.